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Berlinale

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Mon, Feb 11

TEDDY TODAY

Den heutigen Berlinale- Tag haben wir einer der wichtigsten Figuren des "New Queer Cinema" gewidmet: Derek Jarman.

Gestern hatte Isaac Juliens großartiger Film Derek auf der Berlinale Premiere, und alle Filmemacher, die wir heute auf ein kurzes Interview getroffen haben, waren von diesem Film berührt und angetan, wie etwa Matt Wolf, der mit seinen 25 Jahren ein berührendes Porträt über den Ausnahmemusiker Arthur Russell geschaffen hat ("Wild Combination").

Isaac Julien ("Looking for Lancston") hat zusammen mit dem alten Team um Derek Jarman, zu dem auch Tilda Swinton gehört, ein außergewöhnliches Porträt über einen Mann, Visionär und Ausnahmekünstler geschaffen, der sich vor allem eines gewünscht hat: Eine Generation von Menschen, die schnell mit sich zurecht kommt , die nicht erst durch all das hindurch muss, wie die seine es musste.
Video: Derek Clip01

Video: Premiere- Talk
DEREK

Derek Jarman betrachtete das Filmemachen als eine Möglichkeit, Träumen ins Leben zu verhelfen. Die innere Landschaft des Zerissenseins, die Hingabe und die Gefahr, die es bedeutet einen Mann zu lieben, überhaupt zu lieben, hat Jarman nirgendwo besser visualisieren und vermitteln können wie in seinen 8- mm- Filmversatzstücken. Dabei stand für ihn das Narrative niemals im Vordergrund. Inszenierung, Künstlichkeit und die Metapher bestimmen die Herangehensweise an den Film - Jarman Werkzeuge, die es ihm ermöglicht haben, in die Abgründe der menschlichen Seele und Gefühlswelt vorzudringen, wie kein anderer vor ihm.

Jarman war seiner Zeit als Künstler weit voraus. Er entdeckte neue technische Möglichkeiten mit Film zu arbeiten, er experimentierte mit Bilderschichtungen, Licht und Farbe, er machte Blow ups von 8 auf 35mm, kopierte Film auf Video und umgekehrt. 1970 hält Jarman das erste Mal eine Super 8-Kamera in den Händen.

Als Jarman 1970 vom umstrittenen britischen Filmemacher Ken Russell einen Designauftrag erhält, wird er mit dessen Arbeiten konfrontiert, die nachhaltigen Einfluss auf Jarman haben werden. Schon früh experimentierte Russell mit 16-mm-Schmalfilm, den er später professionell nutzt, wie auch einer der Ikonen des US-amerikanischen Avantgarde- Films: Stan Brakhage, der auch die 8mm-Kamera für sich als Mittel zu einer neuen filmischen Kunstform entdeckt.

Video: Interview Tanaz Eshagian

Video: Interview Olaf de Fleur

Derek Jarman liebte die Arbeiten von Russell und Brakhage, aber er war es, der die vollen Möglichkeiten dieses Mediums ausschöpfen und eine völlig eigene Art des Filmemachens entwickeln sollte. Russell, der heute als Vater von Peter Greenaway gilt und der bereits in den 60er Jahren selbst bei Fernsehdokumentationen individuelles Empfinden statt Fakten in den Vordergrund stellte und Themen wie Sexualität und Religion freizügig, oft aber auch bewusst provokant behandelte, gab Jarman die nötigen gestalterischen Anstöße. 1973 hatte Jarman mit "The Art of Mirrors" seinen filmischen Durchbruch, ein Film der mit Jarmans Worten nur auf 8mm gedreht werden und entstehen konnte: "Zum Schluss haben wir etwas ganz Neues geschaffen."

Der 8mm-Schmalfilm gab einem Künstler die nötige finanzielle Unabhängigkeit, die Jean Cocteau für den Film niemals zu hoffen gewagt hätte. Film werde niemals eine Kunstform werden, so lange das Material nicht so billig sei wie Stift und Papier, hatte der französische Filmemacher einmal bedauert. Derek Jarman verhalf dieser Kunstform ins Leben. Jarman: "Die Super 8-Kamera ist frei. 35mm ist an Geld gekettet... Video ist die Basis und im Heimvideo steckt die Sehnsucht nach dem Paradies."
 
 

DEREK JARMAN
MEET DEREK'S FRIENDS AND FAMILY
at the:

TEDDY 22 AWARD CEREMONY
February 14th 2008, 8.30 pm
HAUS DER KULTUREN DER WELT

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Spricht man über Jarmans Filme, muss man über Jarmans gesamtes Lebenswerk und über ihn selbst sprechen. Auch wenn er ein Grenzgänger zwischen verschiedenen künstlerischen Welten war, schuf er alles mit den Augen eines Malers. Er bewegte sich frei zwischen den visuellen Medien, er schuf neue Verbindungen zwischen den Welten der Kunst, des Films, des Theaters und der queeren Welt. Er war dabei jedoch nie dogmatisch oder puristisch, eher könnte man seine Arbeitsweise als multidimensional und multitextural beschreiben.

Derek Jarmans künstlerisches Werk ist eng mit seiner Person, seinem Freundeskreis und seiner Umgebung verwoben, wie auch seine Homosexualität und das Praktizieren von Homosexualität untrennbar mit seiner Kunst verbunden bleibt.

Video: Interview Matt Wolf

Er war ein interdisziplinärer Künstler, der von einer kraftvollen Leidenschaft und dem Glauben angetrieben wurde, dass die Ästhetiken, die er schuf, nützliche Allegorien zum Leben bereithalten, leidenschaftliche Erfahrungen ausdrücken und die Existenz relativieren würden. Seine Homosexualität war stets Antrieb seiner künstlerischen Leidenschaft, genau wie seine HIV-Infektion (1986) und die daraus resultierende AIDS-Erkrankung, die ihn nahezu erblinden ließ - eigentlich das Aus für einen Mann, der für die visuellen Künste lebte.

Video: Interview Tora Martens

Doch seine Krankheit, die ihn jahrelang nicht nur politisch motiviert hatte (So trat er öffentlich gegen die Thatcher-Klausel auf, mit der die Publikation von Material verhindert werden sollte, das der "Förderung der Homosexualität" dienen könnte), führte ihn auch zu einem seiner schönsten und wichtigsten filmischen Werke: "Blue" (1993).

"Blue" ist das konsequenteste, was das Kino dieser Zeit gesehen hat: Die Leinwand bleibt 70 min lang blau, man kann sich dem Blau verweigern oder sich, der Hörspur folgend, auf das Blau einlassen. (Tilda Swinton lieh dem Film ihre Stimme)

Der damals fast blinde Jarman, der ein Meister der Farben war und mit seiner essayistischen Farbenlehre "Chroma" Farben mit Geschichte, Mythologien und philosophischen Diskursen in Verbindung brachte und so neue Räume eröffnete, hatte mit "Blue" eine Art Synthese seines bisherigen Schaffens verwirklicht. Warum er die Menschen mit "Blue" 70 min lang ausgerechnet ins Blau und in keine andere Farbe tauchen ließ? Blau übersteige die Geographie menschlicher Grenzen, so Jarman.

Blue

Nur kurze Zeit nach der Uraufführung von "Blue" stirbt Derek Jarman mit 52 Jahren an den Folgen von AIDS. Heute 15 Jahre nach seinem Tod ist Jarman lebendiger denn je.

TEDDYAWARD.TV wird in den nächsten Tagen u.a. mit Tilda Swinton über das Leben, den Film und Derek Jarman sprechen.
 
 

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