www.teddyaward.tv
Teddy Award 2010
Teddy Award 2009
  Welcome
Fri, Feb 06
Sat, Feb 07
Sun, Feb 08
Mon, Feb 09
Tue, Feb 10
Wed, Feb 11
· TEDDY TODAY
  575 Castro Street
  Ander
  Jangryesigeui member (members of the funeral)
  Rabioso sol, rabioso cielo (Raging sun, Raging sky)
  The Times of Harvey Milk
Thu, Feb 12
Fri, Feb 13
Press Information
Partner & Supporter
Teddy Award 2008
Teddy Award 2007
Teddy Award 2006
Teddy Award 2005
General Information
Print Version
info@teddyaward.tv
Imprint

Newsletter

subscribe

Berlinale

1967543


 

Wed, Feb 11

TEDDY TODAY

Ikonen

Vier Ikonen ist dieser Tag gewidmet: Joe Dallesandro, Joey Arias, Qentin Crisp und Harvey Milk. Zwei sind lebende Legenden, die anderen beiden holt dieser Text ins Leben zurück.

Joe Dallesandro. Was wissen wir über ihn, diesen Mann, der in über 50 Filmen mitgespielt hat, unter der Regie von Andy Warhol/Paul Morrisey, John Waters, Catherine Breillat, Serge Gainsbourg, Jacques Rivette, Francis Ford Coppola, Steven Soderbergh und so vielen anderen? Joe Dallesandro ist der Little Joe aus dem bekannten Lou Reed-Song „Walk On The Wild Side“ und sein Unterkörper ist es, der das „Sticky Fingers“-Album der Rolling Stones ziert. In weniger als drei Jahren wurde aus dem unruhestiftenden Waisenkind ein internationaler Superstar, der mehr als 40 Jahre lang als Sexsymbol Karriere gemacht hat, die in der mythischen Welt von Andy Warhols Factory begann und eigentlich nie geendet hat.


JOE DALLESANDRO


In den Köpfen der Leute ist er bis heute die Projektionsfläche ihrer erotischen Phantasien geblieben. Doch es war nicht nur sein Körper, der ihn zum Superstar machte, es war diese Ausstrahlung eines Jungen, der tief in sich wusste, wer er war: offen, verletzlich und wunderschön. „Dallesandro war zu der Zeit nicht nur der schönste Mann seiner medialen Generation, sondern bot seine erotische Anziehungskraft an und hat sich bewusst objektivieren lassen. Er hat eine physische Erscheinung, derer man nie müde wird zuzusehen. Das gilt für das bewegte Bild genau so wie für Fotos – und für Männer wie Frauen", erinnert sich Wieland Speck, Leiter der Berlinale-Sektion Panorama. Wieland Speck wird es sein, der Joe Dallesandro den Special TEDDY AWARD in diesem Jahr übergeben wird, einem Mann, den man, wenn man ihn persönlich trifft, ins Herz schliessen muss. Er ist ehrlich, er ist direkt, er zeigt Gefühle, zwischen ihm und seiner Umgebung existiert nur ein dünner Membran. Er hat sich für Filme benutzen lassen, wie ein Stück Fleisch (wie er selbst sagt), er war den Regisseuren Modell, sie modellierten ihn in ihren Film hinein, nutzten diese Ausstrahlung, diesen Körper, diese Verletzlichkeit, seine Sensibilität und diese Energie des Tigers, der unter der Oberfläche lauerte, immer bereit, jedem ins Gesicht zu springen, der es auch nur wagen sollte, die von ihm still gesetzte Grenze zu überschreiten. Joe Dallesandro ist ein Mensch, der mit hoch erhobenem Haupt gelebt hat, dem Alkohol verfallen war, aber seine Sucht bekämpfte und jedem Tag seines Lebens Schönheit abverlangt, sie ihm regelrecht abstrotzt. Ein Mensch, der Filmgeschichte geschrieben und das Bild männlicher Sexualität auf der Leinwand für immer verändert hat. Auch wenn er den Erfolg und den Rummel um seine Person nie wirklich verstand, stieg ihm dieser nie zu Kopf. Joe Dallesandro ist ein Mensch, der seine Wurzeln nie vergessen hat, voller Liebe ist und daran glaubt, dass man das zurückbekommt, was man anderen zu geben in der Lage ist.


I was quite aware of what I meant to an audience. Yeah, I knew that I was people’s fantasy. But it didn’t affect me. It didn’t make me feel like I was beautiful. I just felt great because people liked me… and I needed that love. I went through a childhood in which I was missing a lot of that love.

Joe Dallesandro


Seine Tochter Vedra hat ihrem Vater eine besondere Liebeserklärung gemacht, einen ganz persönlichen Dokumentarfilm: "Little Joe", ein intimes Porträt einer Tochter über ihren Vater. Der Film ist aufrichtig und voller Herz. Es war eine bewusste Entscheidung, den Film ohne Gelder von außen zu drehen, er sollte komplett frei entstehen können. Alle, die an diesem Film mitgearbeitet haben, erhielten dafür kein Geld. Es war die Faszination, die Begeisterung und die Aufrichtigkeit eines besonderen Menschen und einer besonderen Vater-Tochter-Beziehung, die sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren an das Projekt glauben lassen haben.


JOEY ARIAS in Hell


Eine weitere Muse Andy Warhols ist Joey Arias. Ein ebenso besonderer Mensch wie Dallesandro, der die große Gabe besitzt, jedem Menschen offen zu begegnen, ihn auf eine geheimnisvolle Art und Weise mit einer Lebensfreude zu konfrontieren und mit einem Übermaß an Liebe - was definitiv ansteckend ist, wenn man auf diesen zarten Menschen trifft, der sich spielerisch und sicher auf der Geschlechtergrenze zwischen Mann und Frau regelrecht tänzerisch bewegen kann. Genau wie Dallesandro trägt er sein Herz auf der Zunge, besticht durch gnadenlose Ehrlichkeit, Arias trägt seine Zerissenheit, Hingabe allerdings auch im Außen. Joey Arias ist ein Pardiesvogel, der seines gleichen sucht und ähnlich wie Joe Dallesandro schon jetzt Geschichte geschrieben hat. Joey Arias ist in den USA ein Star, seine Shows sind ausverkauft. Er ist es, der die Hohe Schule der Drag Performance beherrscht wie kein anderer. Arias ist die Art Avantgarde, die Brücken zwischen Genres geschlagen hat, die in den 1970er Jahren noch als unvereinbar galten. Als er in jenen Jahren nach New York kam, begann er beim berühmten Fashion Label Fiorucci zu arbeiten. In dieser Zeit traf er auch auf Klaus Sperber, mit dem er später Musikgeschichte schreiben sollte: Klaus Nomi war das Gemeinschaftsprojekt dieser beiden ungewöhnlichen jungen Männer, die von diesem Moment an unzertrennlich wurden, zwei Aliens, die nicht nur ihre Liebe für die Oper und Jazz teilten, sondern auch das Rollenspiel mit den Geschlechtern und die große Vorliebe für Phantasie-Kostüme und -Räume.

JOEY ARIAS - Mistress of Seduction

When you push the boundaries and redefine yourself, you find the alien light in you, as Klaus and I did...I feel that the alien part of myself has found the body of a woman. So I explore that part. Imagine that entity from another planetary scenario coming to earth and it has to find a host. Well that's what I've done... I think... (laughs) and that woman is a beautiful creature because she is earth and life.

Joey Arias

Für David Bowie und Andy Warhol waren Klaus Sperber und Joey Arias Inspiration. Catherine Deneuve, Morrissey und Joachim Kowalski betrachten Klaus Nomi heute noch als künstlerisches Vorbild und Bands wie Kraftwerk, Culture Club und The Cure wären ohne Klaus Nomi nicht denkbar gewesen. Nach Klaus' frühem Tod (er war eines der ersten prominenten AIDS-Opfer) wurde Joey Arias für seine Interpretation von Billie Holiday-Songs berühmt, mit denen er auf den großen und kleinen Bühnen dieser Welt zu Gast gewesen ist, dazu gehörte Las Vegas, die Carnegie Hall und das Freedom Theatre in London ebenso wie die kleinen Kabarettbühnen von Frankreich, Japan, Deutschland, Kanada, und England. Bei der TEDDY AWARD CEREMONY wird Joey Arias als Star-Act des Abends im Haus der Kulturen der Welt auftreten.


PANORAMA-Poster
30 Years of Programming

 
 

JOE DALLESANDRO
MEET Joe Dallesandro at the:

23rd TEDDY AWARD CEREMONY
February 13th 2008, 9.00 pm
HAUS DER KULTUREN DER WELT

GET YOUR TICKET NOW!!!!
ONLY FEW TICKETS LEFT !!

Auch Quentin Crisp war solch ein Paradiesvogel, Exzentriker, Entertainer, Autor, Wanderer zwischen den Geschlechtern und der wohl berühmteste Homosexuelle Englands. Gleich drei Filme über sein Leben laufen in diesem Jahr im Panorama-Programm: "The Naked Civil Servant" (1975) von Jack Gold, der im Jahr 2000 zu den besten TV-Filmen des Jahrhunderts gewählt wurde und auf der Autobiografie Quentin Crisps beruht. "Resident Alien" (1990) von Jonathan Nossiter, eine Dokumentation über Quentin Crisp, die auf Tagebuchaufzeichnungen des Mannes basiert, den man auch den "modernen Oscar Wilde" nannte und der laut Spike Magazine eine faszinierende Persönlichkeit von „androgyner Anarchie“ war. Und schliesslich "An Englishman in New York" (2008) von Richard Laxton, der sich auf die New Yorker Zeit des britischen Künstlers und Lebemanns konzentriert.

Quentin Crisp wurde 1908 in England geboren. Bereits in seiner Kindheit spürt Quentin, dass er anders ist und sich nicht zu Frauen hingezogen fühlt. Quentins Eltern wollen das jedoch nicht wahrhaben und senden ihn auf eine Kunsthochschule… Von der Enge seines Zuhauses befreit, beginnt Quentin schliesslich Make-up für sich zu entdecken, aber auch seine exhibitionistische Ader. Von diesem Moment an, trägt er seine Homosexualität wie einen Orden zur Schau und das zu einer Zeit, in der die meisten schwulen Männer, ihre Homosexualität nur im Geheimen leben, weil homosexuelle Handlungen unter Androhung von Strafe verboten sind … Misshandlungen und Beschimpfungen gehören zu Quentins Leben. Er beginnt als Prostituierte zu arbeiten, hält sich mit Aushilfsjobs an Theatern, in Modeboutiquen und Frisiersalons über Wasser, er illustriert und schreibt Bücher, unter anderem "The Naked Civil Servant", seine Autobiografie, deren Verfilmung ihn quasi über nacht berühmt macht. Quentin Crisp ist zu diesem Zeitpunkt bereits über sechzig Jahre alt.

Video: Interview Jack Gold
Director "The Naked Civil Servant"

QUENTIN CRISP - The Naked Civil Servant

1981 verlässt Quentin Crisp das ihm zu enge England, um im menschlich wärmeren New York als Stand-Up Performer, Schriftsteller, Maler und Lebemann seine schillernde Existenz auszuleben und zu veredeln. Dort wird Quentin zu einer festen Größe der New Yorker Gesellschaft. Die Persönlichkeit Quentin Crisps faszinierte Menschen, unter anderem Sting, der Quentin Crisp seinen Song "Englishman In New York" (1987) widmete. Zuvor hatte er Crisp in dessen Wohnung besucht, wo ihm Quentin von den 1950er Jahren in England erzählte, den Schwierigkeiten mit denen er konfrontiert war und was es für ihn hieß, ein Leben lang als Außenseiter leben zu müssen. Auch auf den kleinen Boy George hatte Quentin Crisp nachhaltigen Eindruck hinterlassen, in seiner Autobiographie "Take It Like A Man" beschreibt er Crisps Vorbildwirkung und Einfluss auf sein eigenes Leben. Quentin Crisp starb im Alter von 91 Jahren in seiner englischen Heimat.

QUENTIN CRISP - Resident Alien

You first have to find who you are.
Then you have to be it like mad.

Quentin Crisp

Ebenfalls mit drei Filmen wird in diesem Jahr an eine weitere Ikone erinnert. Harvey Milk war Aktivist für die Rechte Homosexueller. Freund. Liebhaber. Vereiniger. Politiker. Kämpfer. Inspiration. Held. Sein Leben hat die Geschichte verändert und sein Mut hat Leben verändert. Milk wuchs in den 30er Jahren in New York auf, arbeitete als Offizier und als Börsenmakler und ließ sich Anfang der 1970er Jahre nach einer Phase als Hippie und Anti-Vietnam-Demonstrant in San Francisco nieder. Dort eröffnete er in der Castro-Street ein Fotogeschäft und setzte sich vor allem für die Rechte der Schwulen ein. Harvey Milk war überzeugt davon, dass sich Homophobie und Rassismus überwinden lassen, wenn sich die Minderheiten verbünden und politische Ämter mit aufgeklärten Menschen besetzt werden.

So kandidierte er mehrfach als bekennender Schwuler für den Stadtrat und wurde 1977 von den Einwohnern San Franciscos in das einflussreiche Amt gewählt. 1978 gelang es ihm einen Volksentscheid herbeizuführen, der das Berufsverbot von homosexuellen Lehrern aufhob. Harvey Milk hat den Grundstein dafür gelegt, was es aus heutiger Sicht überhaupt bedeutet, sich für Menschenrechte stark zu machen. Für viele Amerikaner war er bereits ein Held, bevor er 1978 eines gewaltsamen Todes sterben musste. Harvey Milk wurde, zusammen mit dem Bürgermeister Rob Moscone, von seinem Widersacher und Kollegen Dan White erschossen. Noch in derselben Nacht versammelten sich über 45.000 Menschen in der Castro-Street und marschierten schweigend zum Rathaus.


The Times of Harvey Milk

All young people, regardless of sexual orientation or identity, deserve a safe and supportive environment in which to achieve their full potential.

Harvey Milk

Das Leben und die Ereignisse um diesen besonderen Mann werden schliesslich die Grundlage für Rob Epsteins eindringlichen Dokumentarfilm von 1984, der auf Interviews, Fernsehreportagen, Zeugenberichten und Archivmaterial basiert: "The Times of Harvey Milk", der bereits 1985 im Panorama-Programm der Berlinale läuft, wird schliesslich mit einem Oscar als Bester Dokumentarfilm geehrt. Das Panorama zeigt Rob Epsteins Film zusammen mit "Milk" (2008) von Gus van Sant. Der erste Spielfilm, der auch den privaten Aspekten im Leben und Wirken Harvey Milks nachgeht. "Milk" erhielt in diesem Jahr 8 Oscar-Nominierungen. Die Film-Kulisse des Harvey Milks Castro Camera Store in der Castro Street 575, die Gus van Sant an derselben Stelle errichten liess, in der sich Milks Laden damals tatsächlich befand, diente Regisseurin Jenni Olson wiederum als Inspiration für ihren Kurzfilm "575 Castro Street" (2008), in dem ein statisches Kameraauge den Schattenspielen an den Wänden der Filmkulisse folgt. Dazu hört man die Originalstimme von Harvey Milk, der ein Jahr vor seinem Tod eine Kassette besprochen hatte: „...im Falle meines Todes durch ein Attentat...“

If a bullet should enter my brain, let that bullet destroy every closet door.

Harvey Milk

 
 

3-point concepts cine plus maxwell smart